Mehr SUV braucht es nicht

08.03.2018 - Eine beliebte Rationalisierungsstrategie bei SUV-Käufern ist der Hinweis auf Raumangebot und Geländegängigkeit. Der Skoda Octavia Scout zeigt, dass das möglicherweise nur eine Ausrede ist.

  • In der Scout-Variante wird der Skoda Octavia zu einem Quasi-SUV ©

    In der Scout-Variante wird der Skoda Octavia zu einem Quasi-SUV © Skoda

  • Allradantrieb ist Serie ©

    Allradantrieb ist Serie © Skoda

  • Der Octavia bietet viel Raum für Gepäck ©

    Der Octavia bietet viel Raum für Gepäck © Skoda

  • Zur Not schafft es der Scout auch durch unwegsames Gelände ©

    Zur Not schafft es der Scout auch durch unwegsames Gelände © Skoda

  • Der Innenraum gibt keine Rätsel auf ©

    Der Innenraum gibt keine Rätsel auf © Skoda

Viel Platz für Passagiere und Gepäck, Allradantrieb für lockeren Untergrund und einen Reisediesel der ebenso stark wie sparsam ist – der Skoda Octavia Scout ist der perfekte Allrounder und die clevere Alternative zum SUV. Knallharte Crossover-Fans werden bei dem kompakten Kombi allenfalls eine Sache vermissen.

Mit den „Scout“-Modellen hat Skoda früh auf den Trend zur Geländewagen-Optik reagiert. Schon den Octavia II gab es vor zehn Jahren in einer soften Offroad-Variante. Das Grundrezept ist das gleiche geblieben: Robuste Plastikplanken an den Karosserieflanken, erhöhte Bodenfreiheit und Unterfahrschutzbleche an Front wie Heck. Im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern im Offroad-Kombi-Segment sieht der Scout aber nicht nur nach Matsch und Geröll aus, sondern kann sich dort dank Allradantrieb auch einigermaßen gekonnt bewegen. Auch vielen SUV hat er in dieser Hinsicht etwas voraus.  

Abseits von Optik und Traktion ist der Octavia ein ganz normaler Kompakt-Kombi, was man vor allem auf befestigten Straßen merkt. Der Tscheche fährt sich dort agil wie ein Pkw; das recht straffe Fahrwerk vermittelt trotz der leicht höher gelegten Karosserie ein agiles Gefühl in der Kurve, die leichtgängige Lenkung lässt das Auto im Stadtverkehr trotz seiner fast 4,70 Meter Länge angenehm handlich wirken. Dazu kommen ordentliche Übersicht und einfache Bedienung – der Octavia ist auch als Scout ein betont unkompliziertes Auto für alle Gelegenheiten.

Was ihn letztlich zum Allround-Talent macht, ist das Platzangebot. Zu zweit sitzen auch Erwachsene hinten bequem, für kurze Strecken taugt auch der Mittelsitz. Paradedisziplin ist jedoch das Fassungsvermögen des Kofferraums, der mit 480 Litern schon bei voller Bestuhlung groß ausfällt. Und mit maximal 1.740 Litern sogar nicht wenige Mittelklassekombis eng aussehen lässt. Einige SUV haben zwar nominell mehr Platz, was aber vor allem an dem höheren Dach liegt. Die dadurch vergrößerte Ladungshöhe spielt aber allenfalls bei vollgepacktem Urlaubs-Kofferraum eine größere Rolle. Jenseits der Papierwerte kann der Octavia aber ebenfalls überzeugen: Die Ladekante ist deutlich niedriger als bei einem SUV, der Boden auch bei umgeklappten Rücksitzen stufenlos und die Grundfläche ist von gleichmäßigem Zuschnitt. Unter dem Boden findet sich ein weiteres Staufach für Kleinkram, optionale Netze und Schienen sorgen auch im Hauptabteil für Ordnung.  

Vollends zum guten Reisewagen macht den Scout sein 135 kW/184 PS starker Dieselmotor. Im Zusammenspiel mit dem Doppelkupplungsgetriebe sorgt der Vierzylinder ohne großes Aufhebens für souveränen Vortrieb, absolviert spielerisch Überholmanöver auf der linken Spur und bleibt mit 6,5 Litern Verbrauch trotzdem in akzeptablen Regionen. Im Scout wirkt der Motor zwar weniger bissig als das gleiche Triebwerk im Diesel-Sportler Octavia RS, dem ausgeglicheneren Charakter des Offroad-Kombis ist das jedoch durchaus angemessen. Dazu passt auch, dass man darauf verzichtet, künstlichen Motorsound in den Innenraum zu leiten und das Triebwerk innen eher auf stumm schaltet.

Geländegängigkeit, großes Platzangebot und Reisequalitäten – der Octavia Scout bringt viele Qualitäten mit, die Käufer an SUV schätzen. Eigentlich fehlt es ihm nur an einem: der erhöhten Sitzposition. Auch wenn man immerhin leicht erhaben Platz nimmt, thront man in dem Kombi nicht über dem Verkehr. Sehen kann man trotzdem prima, weil die Karosserie des Skoda ungewöhnlich gut überschaubar ist. Wem das als Argument gegen den SUV-Kauf nicht reicht, der sollte vielleicht noch mal die finanzielle Seite betrachten: Neben dem geringeren Verbrauch liegt auch der Fahrzeugpreis unter dem eines typischen SUV. 32.510 Euro kostet die günstigste Scout-Variante mit dem 132 kW/180 PS starken Benziner, Allradantrieb und Automatik. Die Diesel mit 110 kW/150 PS gibt es für 33.510 Euro beziehungsweise 34.110 Euro, jeweils mit bereits üppiger Ausstattung. Für einen vergleichbaren Karoq oder Kodiaq – die beiden SUV der Marke – sind ein paar tausend Euro mehr fällig.

Technische Daten – Skoda Octavia Scout:
Viertüriger, fünfsitziger Kombi mit Allradantrieb, Länge: 4,69 Meter, Breite: 1,81 Meter, Höhe: 1,53 Meter, Radstand: 2,68 Meter, Kofferraumvolumen: 610 bis 1.740 Liter

2,0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel, Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, 135 kW/184 PS bei 3.500 U/min, maximales Drehmoment: 380 Nm bei 1.750 U/min, 0-100 km/h: 7,8 s, Vmax: 219 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,1 l/100 km, CO2-Ausstoß: 133 g/km, Testverbrauch: 6,5 Liter, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse B, Preis: ab 33.510 Euro.

Kurzcharakteristik – Skoda Octavia Scout:
Warum: weil er fast alles kann, was ein SUV kann
Warum nicht: weil SUVs fast alles können, was er auch kann
Was sonst: Opel Insignia Country Tourer, Audi A4 Allroad, VW Passat Alltrack

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