Jenseits von James

25.03.2018 - Ein Aston Martin im Test? Wir glauben zu wissen, welche Assoziationen die Nennung diese Marke bei Ihnen hervorruft. Für die Briten ist das Segen und Fluch zugleich. Wir sind die Sache aber ganz objektiv angegangen.

  • Der Aston Martin DB11 ist ein Hingucker © Aston

    Der Aston Martin DB11 ist ein Hingucker © Aston Martin

  • Die Form des 2+2-Sitzers ist fast makellos und mit allen Zutaten klassischer Sportwagen versehen © Aston

    Die Form des 2+2-Sitzers ist fast makellos und mit allen Zutaten klassischer Sportwagen versehen © Aston Martin

  • ! Der Nachfolger des von 2004 bis 2016 gebauten DB 9 steht auf einer ganz neuen Plattform © Aston

    ! Der Nachfolger des von 2004 bis 2016 gebauten DB 9 steht auf einer ganz neuen Plattform © Aston Martin

  • Der DB 11 fährt sich in eben jener Einstellung, nämlich GT, immer sportlich © Aston

    Der DB 11 fährt sich in eben jener Einstellung, nämlich GT, immer sportlich © Aston Martin

  • Schaltet man  in den Sport-Modus, wechselt das Coupé seinen Charakter © Aston

    Schaltet man in den Sport-Modus, wechselt das Coupé seinen Charakter © Aston Martin

  • Das Gesamtpaket aus Motor  und Achtgang-Automatikgetriebe stimmt  © Aston

    Das Gesamtpaket aus Motor und Achtgang-Automatikgetriebe stimmt © Aston Martin

  • Im fein eingerichteten Innenraum wird einem Mercedes-Fahrer das eine oder andere bekannt vorkommen © Aston

    Im fein eingerichteten Innenraum wird einem Mercedes-Fahrer das eine oder andere bekannt vorkommen © Aston Martin

  • Je größer und stärker der Motor, desto höher die Abweichung von der Norm, gilt auch hier © Aston

    Je größer und stärker der Motor, desto höher die Abweichung von der Norm, gilt auch hier © Aston Martin

Die Leute bei Aston Martin haben ein Problem. Immer wenn der Name der britischen Traditionsmarke in einer Runde Autofans fällt, schwärmt einer mit allergrößter Wahrscheinlichkeit: Ach ja, das Bond-Auto. Tatsächlich hat kein anderer Untersatz  des britischen Agenten jemals eine so große Wirkung entfaltet, wie der DB5 in den Filmen „Goldfinger“ und „Feuerball“ in den 60er-Jahren. So groß war diese, dass auch in späteren Filmen (etwa: Skyfall) immer wieder auf das ikonische Fahrzeug zurückgegriffen wurde.

Und wo ist da das Problem? Natürlich spielen die Macher bei Aston Martin gerne mit dem Bond-Image, schließlich beschert es ihnen nicht nur kostenlose Werbung, sondern wirkt auch stilbildend auf das britisch-coole Image der Marke. Aber Image hin, DB5 her – Aston muss nach vielen harten Jahren am Rande des Abgrunds seine aktuellen Modelle schließlich in der Gegenwart verkaufen. Dieser Spagat ist für die Briten nicht so ganz einfach zu bewältigen. Von daher stellte sich für uns bei unserem Testwagen, dem DB 11 Coupé, schon die Frage: Gibt es für Aston Martin überhaupt ein Leben jenseits von James?

Auf der Straße ist das Coupé auf jeden Fall schon mal ein absoluter Hingucker, auch wenn auf Anhieb kaum jemand die Marke dahinter erkennt. Aber die Form des 2+2-Sitzers ist eben fast makellos und mit allen Zutaten klassischer Sportwagen versehen. Wir finden eine lange Motorhaube, eine hohe Gürtellinie mit wenig seitlichem Glasanteil und selbst das Heck – bei vielen Sportwagen ein optischer Schwachpunkt – fällt so selbstverständlich elegant aus, wie man es sich nur wünschen darf.

Allerdings hatten wir von einem Aston Martin auch nichts weniger erwartet, als eine atemberaubende Optik. Etwas skeptischer waren wir da schon in Sachen Fahrqualitäten. Doch, Überraschung! Der Nachfolger des von 2004 bis 2016 gebauten DB 9 steht auf einer ganz neuen Plattform, die es den Briten ermöglicht, einen echten Gran Turimso auf die Räder zu stellen. Der DB 11 fährt sich in eben jener Einstellung, nämlich GT, immer sportlich, aber auch für Langstrecken noch kommod genug. Schaltet man dagegen in den Sport-Modus, wechselt das Coupé seinen Charakter, wird laut, böse und radikal. Das funktioniert technisch prächtig, will aber zur souverän-eleganten Ausstrahlung des Fahrzeugs nicht so recht passen.

Das Gesamtpaket aus Motor (dazu kommen wir noch) und Achtgang-Automatikgetriebe stimmt aber, die Lenkung ist exakt, die Bremsen packen beherzt zu und an Sitzen bzw. der Sitzposition gibt es zumindest für normal gewachsene Menschen nichts auszusetzen.  Man darf nur die Angabe „Viersitzer“ nicht ernst nehmen. Das Coupé ist ein Zweier mit zusätzlicher Ablagemöglichkeit auf den „Rücksitzen“.

Als Antrieb hatten wir uns für den V8 entschieden und das nicht wegen der 21.000 Euro Aufpreis zum V12, was zwar nicht wenig Geld ist, bei einem Basispreis von 184.000 Euro aber nun auch nicht mehr unbedingt entscheidend ins Gewicht fallen dürfte. Nein, der V8 liegt vielmehr viel weniger stark auf der Vorderachse, immerhin ist er 115 Kilo leichter. Zudem handelt sich bei ihm um einen Motor von Mercedes, genauer gesagt von AMG. Falls Sie es noch nicht wussten: Daimler ist mit fünf Prozent an Aston Martin beteiligt, was es den Briten erleichtert, auf Motoren und Technik der Schwaben zurückzugreifen.

Im DB 11 leistet der aus dem AMG GT bekannte Motor 375 kW/510 PS und entwickelt ein Drehmoment von bis zu 675 Newtonmetern, das zwischen 2.000 und 5.000 U/min permanent anliegt. Die Fahrleistungen: Nach 4,0 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, maximal sollen 300 km/h möglich sein. Das haben wir aber nicht ausprobieren können. Den Normverbrauch hat Aston Martin ganz knapp unter die 10 Liter gedrückt, was schön aussieht, aber natürlich in der Praxis nicht einzuhalten ist. Die Formel: Je größer und stärker der Motor, desto höher die Abweichung von der Norm, gilt auch hier. Aber wer 200.000 Euro für ein Auto ausgibt, wird sich von über 14 Litern realem Durchschnittsverbrauch kaum schrecken lassen.

Im fein eingerichteten Innenraum wird einem Mercedes-Fahrer das eine oder andere bekannt vorkommen, etwa das Infotainment mit dem üblichen Dreh-/Drücksteller und der etwas gewöhnungsbedürftigen Bedienung. Im Aston Martin wirkt das System aber irgendwie nicht ganz so souverän, sogar einen Bildschirmausfall mussten wir kurzfristig verkraften.

Aber das sind Kleinigkeiten, die letztlich vom optischen Auftritt des DB 11 und seinen Qualitäten als sportliches GT-Coupé klar überstrahlt werden. Selten hatten wir ein Fahrzeug im Test, dass in der Redaktion und auf der Straße so einhellig positive Reaktionen hervorrief. Und da die meisten Menschen wie erwähnt die Marke auf den ersten Blick ja gar nicht erkannt hatten, dürfen wir die Gentlemen bei Aston Martin beruhen: Ja, ein DB 11 funktioniert auch ohne Bond-Legende, einfach, weil es ein wunderschönes, prächtig motorisiertes Coupé ist.

Aston Martin DB 11 Coupe V8 – Technische Daten:
Zweitüriges, 2+2-sitziges Coupé; Länge: 4,75 Meter, Breite: 1,95 Meter, Höhe: 1,29 Meter, Radstand: 2,81 Meter, Kofferraumvolumen: 270 Liter
4,0-Liter-Achtzylinder-Biturbo-Benziner, 375 kW/510 PS, maximales Drehmoment: 675 Nm zwischen 2.000 – 5.000 U/min, Achtgang-Automatikgetriebe, Hinterradantrieb, 0-100 km/h: 4,0 s, Vmax: 300 km/h, Normverbrauch: 9,9 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 230 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: G, Testverbrauch: 14,4 Liter
Preis: ab 184.000 Euro
Preis des Testwagens: ca. 215.000 Euro

Kurzcharakteristik:
Warum: umwerfendes, zeitloses Design; tolle Motor-Getriebe-Kombi
Warum nicht: teuer in Anschaffung und Unterhalt; hoher Praxisverbrauch
Was sonst: Mercedes AMG GT Coupé, Porsche 911 Turbo, Jaguar F-Type R

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