MIXTAPE 2 - Für mich rockt das immer noch!

27.03.2018 - Was wir gut finden, bestimmen andere und die verdienen ihr Geld damit, dass wir das gut finden. Wenn also schon jemand meinen Musikgeschmack bestimmt, dann will ich mir doch wenigstens aussuchen, wer!

  •  © Mondbasis Hamburg / Steffen

    © Mondbasis Hamburg / Steffen Gottschling

Es gab Zeiten, da funktionierte das tatsächlich mal richtig gut. Die Zeitschrift meiner Wahl war in den 90ern die VISIONS. Es gab so zwei drei Schreiberlinge, die ziemlich genau meinen Musikgeschmack trafen und wenn die einer neuen Platte 10 von 10 Punkten gaben, konnte ich in den Laden gehen und das gute Stück ungehört kaufen, weil ich wusste, dass mir das gefallen würde. Dann gab‘s da noch Frank‘s Plattenladen, in dem ich fast jeden Samstag aufschlug. Dirk (Frank gehörte der Laden vorher und irgendwie hieß der dann halt weiter so) hatte mir immer schon ein paar neue Sachen bei Seite gelegt, von denen er wusste, dass mir das gefallen könnte. 

Ich war also bestens versorgt. Aber wie ist das heute? Als das Internet für alle zugänglich wurde, war das der absolute Wahnsinn. Ich brauchte keine Zeitschrift oder ähnliches mehr. Ich hatte plötzlich Zugang zu Sachen, die mich vorher nie erreicht hätten und habe unheimlich viel Neues entdeckt. Aber schnell wurde auch klar, dass gute Musiker noch lange keine Marketing Spezialisten sind und wer am lautesten brüllt, auch nicht unbedingt die besten Songs schreibt.  Bei allen Vorteilen, die sich ergaben, ist das Internet nunmal auch ein unfassbar großer Müllhaufen, in dem auch wirklich jeder Mist, den irgendwer irgendwann mal abgesondert hat, auf ewig gesammelt wird (ja, auch meine Zeilen). Wenn wir etwas suchen, benutzen wir irgendeine Suchmaschine und hoffen auf brauchbare Resultate. Leider gibt es aber mittlerweile zu jedem Suchbegriff irgendeinen Beitrag in einem der 700 Milliarden Foren, bei dem einer eine Frage stellt und bevor irgendwann auf Seite 523 mit Glück tatsächlich auch mal eine Antwort auftaucht, müssen die Klugscheißer dieser Welt erstmal erklären, dass sie das alles ganz anders machen würden... Warum früher trotzdem nicht alles besser war und wie man auch in riesigen Müllhalden echte Diamanten findet, klären wir beim nächsten Mal.
 
Bis dahin will ich euch wieder mein „Rock Music Best Of“ (siehe oben) ans Herz legen. Es kommen immer wieder neue Songs dazu und natürlich fliegt auch immer wieder was raus und wer mehr dazu wissen will, muss die erste Kolumne lesen… Ja, Spotify ist die Plattform meiner Wahl und ja, ich hab es auch diese Woche nicht geschafft, zu erklären, warum. Neuer Versuch, nächste Woche!
 

Toma Moon, Inhaber und Geschäftsführer der Mondbasis Hamburg, ist vor allem kreativer Kopf, Produzent, Soundfetischist und Kommunikator. Als detailverliebter Perfektionist und konsequenter Geschmacksverstärker holt er auch das letzte Quäntchen Talent aus seinen Schützlingen heraus und ist als Dozent und Musikproduzent seit vielen Jahren mit Projekten wie der SchoolTour, dem Robert Johnson Guitar Award oder dem Wacken Music Camp in der Nachwuchsförderung engagiert... Mit viel Feingefühl, Geschmackssicherheit und Entscheidungskraft schafft der Musikproduzent, Tonarzt, A&R Manager, Multiinstrumentalist und Business Punk immer wieder großartige Klangbilder, schnell eine angenehme Atmosphäre und gilt als nicht aus der Ruhe zu bringender Problemlöser. Mehr Infos hier: Wikipedia

mondbasis-hamburg.de

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