Glücksmomente

28.02.2018 - Trotz Supersportler-Attitüde bleibt der Power-Allrader Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio im Alltag ein Auto, das man auch ohne Rennlizenz problemlos bewegen kann.

  • Jetzt darf auch der Alfa Romeo Stelvio das vierblättrige Kleeblatt tragen © Alfa

    Jetzt darf auch der Alfa Romeo Stelvio das vierblättrige Kleeblatt tragen © Alfa Romeo

  • Federung und Dämpfung sind richtig straff © Alfa

    Federung und Dämpfung sind richtig straff © Alfa Romeo

  • Innen gibt es einen mit bezogenen Armaturenträger und Leder-Alcantara-Sportsitze © Alfa

    Innen gibt es einen mit bezogenen Armaturenträger und Leder-Alcantara-Sportsitze © Alfa Romeo

  • Für das flotte Tempo ist der 2,9-Liter-V6-Biturbo verantwortlich © Alfa

    Für das flotte Tempo ist der 2,9-Liter-V6-Biturbo verantwortlich © Alfa Romeo

Wer die Stelvio-Preisliste aufklappt, findet die Quadrifoglio-Variante ganz banal als „2,9 V6 Bi-Turbo“ in der Auflistung unter den Vierzylinder-Ausgaben. Doch in der Spalte mit der Preisangabe hat es sich mit der Banalität: Die teuerste der regulären Varianten des Mittelklasse-SUV ist fast 40.000 Euro günstiger als die mit dem vierblättrigen Kleeblatt auf dem Kotflügel: 89.000 Euro müssen Stelvio-Käufer für das Topmodell auf den Tisch legen. Dafür ist die Zahl in der Spalte mit der Motorleistung ebenfalls deutlich erhöht: 375 kW/510 PS sind 230 Pferdestärken mehr als die kräftigste Zivilversion hat.

Fährt man dem stärksten Stelvio hinterher, fällt schnell auf, dass es sich um die Performance-Variante handelt: Vier potente Auspuffendrohre zeigen den übrigen Verkehrsteilnehmer, dass sie sich mit diesem Kandidaten besser nicht anlegen sollten. Trotz gleicher Motorisierung hat das SUV – abgesehen von 1.600 Liter Gepäckraumvolumen – einen gänzlich anderen Charakter als die Mittelklasse-Limousine Giulia  Quadrifoglio: Während die stärkste Giulia mit Hinterradantrieb vor allem die Augen motorsportaffiner Bleifußakrobaten zum Leuchten bringt, beschert das ausschließlich mit Vierradantrieb lieferbare SUV unterschiedlichen Zielgruppen Fahrfreude.  

Auf dem spanischen Ascari-Kurs mit dem potenten Stelvio unterwegs, ist man froh, dass der Hersteller serienmäßig massive Sportsessel mit stark ausgeprägten Seitenwangen spendiert, die die Passagiere auch dann noch in der Mittelbahn halten, wenn man ambitioniert am griffigen Alcantara-Kranz zerrt. Denn der fast 1,70 Meter hohe Kraxler kann querdynamisch ziemlich schnell unterwegs sein. Das aktive Allradsystem arbeitet hecklastig und leitet bei Traktionsverlust schnell Moment in Richtung Vorderachse. Ein mechanisches Sperrdifferenzial mit Torque Vectoring-Funktion unterstützt schnelle Kurvenfahrten; die variable Kraftverteilung zwischen den Radseiten kann bei fahrdynamischen Manövern gezielt eingesetzt werden, um eine stabilisierende Wirkung zu entfalten.

Doch auch unter ganz normalen Verkehrsbedingungen lässt sich das Sport-SUV lustvoll bewegen. Denn selbst im achten Gang schiebt der 600 Nm-Brocken den 1,9-Tonner noch bullig an. Dabei klingt der Sechszylinder kernig, aber nicht aufdringlich. Richtig hämmernd (innen) und sprotzelnd (außen) wird er erst, wenn man sich drehzahlmäßig Richtung Begrenzer bewegt – und dann soll das Triebwerk mit Ferrari- und Maserati-Genen ja schließlich auch Sound machen. Wer das rechte Pedal nach warmgefahrenen Motor beherzt durchdrückt, erlebt den Italiener ziemlich vehement davon stürmen – in 3,8 Sekunden auf 100 km/h. Der Tempobegrenzer ist hier keine Elektronik, sondern der natürliche Luftwiderstand – bei 283 Sachen ist Schluss.

Mit seinem elektronisch geregelten Fahrwerk bewahrt sich der Alfa eine Portion Restkomfort und ist alles andere als hart. Das Automatikgetriebe arbeitet mit Drehmomentwandler, überzeugt also durch geschmeidige Schaltvorgänge. Der von den Alfisti liebevoll „QV“ genannte Topliner konsumiert laut Werk neun Liter Kraftstoff je 100 Kilometer. Das ist ein angesichts der Leistung durchaus respektabler Wert, der nicht zuletzt dadurch zustande kommt, dass der Sechsender bei moderater Fahrweise eine Zylinderbank abschaltet. Wer den Fahrmodus-Regler auf Schongang stellt, bekommt nicht die volle Leistung.

Nur beim Infotainment muss der Hersteller nachlegen – zwar lotst das Navigationssystem zuverlässig zum Ziel, doch bis das erst einmal im Rechner landet, sind ein paar Nerven verloren. Das mag ein Porsche Macan Turbo besser können, doch der Markencharme und das Gefühl, ein bisschen individueller unterwegs zu sein, sind ja auch ganz fein. Und was das Antriebskapitel angeht, macht dem Alfa so schnell kein Wettbewerber etwas vor.

Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio – Technische Daten:
Mittelklasse-SUV, Länge: 4,70 Meter, Breite: 1,96 Meter, Höhe: 1,68 Meter, Radstand: 2,82 Meter, Kofferraumvolumen: 525 bis 1.600 Liter.

2,9-Liter Sechszylinder-Turbobenziner mit Direkteinspritzung, Achtgang-Wandlerautomatik, 375 kW/510 PS, maximales Drehmoment: 600 Nm bei 2.500 U/min, 0-100 km/h: 3,8 s, Vmax: 283 km/h, Durchschnittsverbrauch: 9,0 l, CO2-Ausstoß: 210 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: E, Preis: ab 89.000 Euro

Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio – Kurzcharakteristik:
Warum: weil der stärkste Stelvio eine Balance aus sportlichem Fahrerlebnis und Nutzwert bietet
Warum nicht: Weil ein SUV mit einer solch hohen Motorleistung überflüssig ist
Was sonst: Mercedes-AMG GLC 63, Porsche Macan Turbo und – vielleicht irgendwann – ein heißer Ableger des Jaguar F-Pace

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